Eschensterben

Stammfußnekrosen an Eschen

Stammfußnekrose einer Esche
Stammfußnekrose – Bild FVA Freiburg, Waldschutzinfo 1/2014

Hintergrund:
Nachdem bereits im vergangenen Jahr in der Novemberausgabe des Schwäbischen Baur über das Eschentriebsterben berichtet wurde, bereitet die seither zu beobachtende Entwicklung insbesondere der mit dem Eschentriebsterben einhergehenden sogenannten Stammfußnekrosen große Sorge. Der Begriff Stammfußnekrose bedeutet,  dass im unteren Bereich des Eschenstammes, dem Stammfuß, das Gewebe abstirbt. Da diese Stammfußnekrosen den Absterbeprozess der Eschen deutlich beschleunigen und zudem eine sehr rasch fortschreitende Destabilisierung der Eschen zur Folge haben, scheint es erforderlich diese Symptomatik und mögliche Handlungsalternativen nochmals etwas näher zu beleuchten.

Ursache:
Mit hoher Wahrscheinlichkeit führt primär  der Erreger des Eschentriebsterbens („Falsches weißes Stengelbecherchen“)  zum Absterben der Rinde. In der Folge werden diese Nekrosen dann von weiteren Pilzarten, bevorzugt dem Hallimasch besiedelt und verstärkt.
Ein Teil der auftretenden Stammfußnekrosen wird jedoch auch, wie in der Zeit vor dem Auftreten des Eschentriebsterbens, allein durch den Hallimasch verursacht.
Neben dem Hallimasch treten noch weitere Pilzarten an geschwächten Eschen auf, die allesamt zu Wurzel- und Stammfäulen und in relativ kurzer Zeit zu mangelnder Standsicherheit der Eschen führen.
 
Erkennen:
Im Landkreis Ravensburg wurde, insbesondere auf feuchteren, wasserbeeinflussten Standorten ein teilweise bis zu 90 prozentiger Befall der Eschen mit dem Hallimasch festgestellt.
 
Das tückische am Pilzbefall ist, dass die Bäume oftmals über die Wurzel infiziert werden, was zum Absterben der Hauptwurzeln führt, lange bevor dieser Befall äußerlich sichtbar wird bzw. bevor der Pilz Fruchtkörper bildet.
Als erstes kann der Pilzbefall am Übergang zwischen Boden und Stamm erkannt werden. Häufig ist eine Schwarzfärbung der Rinde zu beobachten und unter der Rinde das typisch Pilzmyzel des Hallimasch. Die Beurteilung, ob ein Pilzbefall vorliegt ist am Einzelbaum relativ zeitaufwendig. Oftmals muss zunächst der Bewuchs mit Moos entfernt werden, bevor mithilfe eines kleinen Beils die Rinde angekratzt wird, worunter dann das Myzel zum Vorschein kommt.
 
Konsequenzen:
Die oben beschriebene Symptomatik führt insbesondere zu einem deutlich erhöhten und nicht zu unterschätzendem Gefahrenpotenzial bezüglich der Verkehrssicherung entlang von öffentlichen  Straßen, Bahnlinien und Erholungsschwerpunkten. Hier liegt die Pflicht zur Verkehrssicherung beim Grundstückseigentümer bzw. Waldbesitzer. Zudem ist die motormanuelle Holzernte dieser Eschen mit einem deutlich höheren Gefahrenrisiko verbunden. Hier wird den Waldbesitzern dringend empfohlen, sich bei Unsicherheiten, mit dem für Sie zuständigen Revierleiter in Verbindung zu setzen.  
Da aufgrund der beschriebenen Symptome mit einem gesteigerten Anfall an Eschenholz zu rechnen sein wird, wurde mit den vorhandenen Eschenabnehmern im Forstamt Ravensburg eine deutliche Mengensteigerung vereinbart. Aber auch dann kann nicht zugesagt werden, sollten die anfallenden Mengen den Bedarf deutlich übersteigen, dass das Eschenstammholz in jedem Fall zu Stammholzpreisen verkauft werden kann.  Vor allem Klein- und Kleinstmengen in C-Qualität werden bei der Vermarktung Probleme bereiten.  Es kann aber durchaus auch sein, dass B und B/C-Qualitäten letztlich als Brennholz oder Industrieholz vermarktet werden müssen, zu deutlich geringeren Preisen.

Abgestorbene Hauptwurzel einer Esche – Bild Weisshaupt
Abgestorbene Hauptwurzel einer Esche – Bild Weisshaupt
Handlungsempfehlungen:
  • Von Pflanzungen der Esche wird auch weiterhin abgeraten
  • Im Rahmen der Jungbestandspflege sind Mischbaumarten sowie gut veranlagte Eschen ohne Symptome des Eschentriebsterbens (möglicherweise resistent) zu fördern.
  • Holzernte sollte auch weiterhin durchgeführt werden mit dem Ziel der Förderung von Mischbaumarten bzw. offensichtlich widerstandsfähiger eventuell resistenter Eschen. Das Auszeichnen der Bestände sollte im Hochsommer stattfinden. Im Juli sind der Laubaustrieb und die Ersatztriebbildung abgeschlossen und der vorzeitige Blattfall hat noch nicht eingesetzt, sodass das Triebsterben ggf. deutlich sichtbar wird.
  • Bei Eschen entlang von Straßen, Bahnlinien oder Erholungsschwerpunkten ist im Rahmen der Verkehrssicherung besondere Aufmerksamkeit und Vorsicht geboten. Sowohl die Krone der Eschen als auch der Stammfuß sind gründlich zu kontrollieren. Im Zweifel kontaktieren Sie den für Sie zuständigen Revierleiter.