Der Wald im Landkreis Ravensburg

Fakten, Zahlen, Hintergründe

Wald

Geologie, Boden, Geographie

Vor ca. 15.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit, der so genannten Würmeiszeit, zog sich der Rheingletscher zurück in die Alpen. Er formte in weiten Bereichen das Landschaftsbild mit Schussenbecken und Hügeln (so genannten Drumlins) im Landkreis aus. Mit seinem kalkreichen Geschiebe aus den Alpen lieferte er auf 60% der Fläche des Landkreises das Ausgangsmaterial für die Bodenbildung. Es entstanden vor allem nährstoffreiche Braunerden.
Ca. zehn % der Fläche im Nordosten des Landkreises entstanden in den beiden älteren Eiszeiten (Mindel- und Risseiszeit). Die hier entstandenen Böden sind bereits in gewissem Umfang entkalkt.

Höhenprofil
Höhenprofil

Vor allem in den Seitentälern des Schussenbeckens und in weiteren Flusstälern tritt die vor rund 65 Millionen Jahren entstandene, ansonsten tiefer liegende so genannte Molasse auf ca. zehn % der Fläche zutage. Aus dem insgesamt sehr heterogenen Material entstanden häufig Sandböden.Bei den restlichen 20 % der Landkreisfläche handelt es sich vor allem um Niederterrassenschotter aus Flussablagerungen und Mooren.
Der tiefste Punkt im Landkreis liegt im Schussental (420 Meter über Normal Null). Der “Schwarze Grat” im äußersten Südosten des Landkreises ist mit seinen 1.117 Metern über Normal Null auch der höchste Berg Württembergs.
Das folgende vereinfachte Querprofil zeigt die Höhenlagen im Landkreis.

Klima

Die Jahresdurchschnittstemperatur schwankt zwischen 8,3°C im Schussenbecken und 6,5°C an der Adelegg bei Isny. Der weitaus größte Teil des Landkreises hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 7°C. Die Niederschläge nehmen vom nördlichen Schussental (850 mm pro Jahr) nach Südosten zu. Die höchsten Niederschläge mit 1.800 mm pro Jahr fallen im Bereich Adelegg. Die durchschnittlichen Niederschläge im Forstbezirk liegen bei etwa 1.000 mm pro Jahr.

Waldfläche, Besitzverteilung

Diagramm Besitzarten
Diagramm Besitzarten

Ravensburg, der mit 163.181 Hektar zweitgrößte Landkreis in Baden-Württemberg, ist mit ca. 48.000 Hektar zu 29% bewaldet. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik Deutschland ist zu 31% bewaldet, Baden-Württemberg zu 38%.
Große zusammenhängende Waldgebiete sind der “Altdorfer Wald” mit 8.000 Hektar und die “Adelegg” mit 2.000 Hektar.
Der Wald befindet sich zu etwa zu 23 Prozent (11.000 Hektar) in Landesbesitz („Staatswald“) und zu zehn Prozent (5.000 Hektar) im Eigentum von 32 Städten und Gemeinden sowie 133 sonstigen Körperschaften (z.B. Kirchenwälder).
Beim Privatwald (67% / 32.000 Hektar) wird unterschieden zwischen Großprivatwald über 200 Hektar (37%) und Klein-Privatwald (30%). Der Klein-Privatwald im Landkreis gehört ca. 6.300 unterschiedlichen Waldbesitzern mit einer durchschnittlichen Besitzgröße von ca. 2,5 Hektar.

Baumarten, Holzvorrat, Zuwachs

Diagramm_Baumarten
Diagramm_Baumarten

Baumartenverteilung
Die heute noch vorherrschende Baumart ist die Fichte, die in den letzten Jahrhunderten wegen ihrer hohen Wuchsleistung bevorzugt angebaut wurde. Ziel des Forstamts ist es heute, Fichtenreinbestände in klimastabilere Mischwälder umzubauen.

Die Baumarten im Landkreis verteilen sich wie folgt (Stand 01.01.2017):

Baumart
Anteil
Fichte (Fi)
60 %
Sonstige Nadelbäume (SNb)
10 %
Buche (Bu)
10 %
Ahorn / Esche
10 %
Sonstige Laubbäume (SLb)
10 %

Holzvorrat und Zuwachs
Der Holzvorrat in den Wäldern des Landkreises liegt bei rund 21 Millionen Kubikmetern (Vorratsfestmeter). Dies entspricht 430 Kubikmetern pro Hektar.
Jährlich wachsen ca. 550.000 Kubikmeter nach. Dies entspricht 1.500 Kubikmetern oder 25 Lkw-Ladungen täglich. Demgegenüber steht eine jährliche nachhaltige Nutzung von 500.000 Kubikmetern, rund 90 Prozent vom Zuwachs.

Holzeinschlag

Diagramm Holzeinschlag
Diagramm Holzeinschlag

Das eingeschlagene Holz wird zu 75 Prozent als wertvolles Stammholz an Säge- und Furnierwerke verkauft. Neun Prozent werden zu Papier- oder Industrieholz verarbeitet und etwa 10% werden als Energieholz aufbereitet, damit es die Bürger im Kreis schön warm haben. Der Rest – rund sechs Prozent – verbleibt als Totholz und damit als Lebensraum für eine große Zahl an Pflanzen und Tieren im Wald.