Bericht zu Milchviehhaltertagung 2020

Kreis Ravensburg – Die Außenwahrnehmung und die Selbstdarstellung der Landwirtschaft standen auf der diesjährigen Fachtagung für Milchviehhalter im Mittelpunkt.
Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch den Leiter des Landwirtschaftsamtes Ravensburg, Albrecht Siegel sprachen der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Amtzell, Hans Roman, und der CDU-Landtagsabgeordnete Raimund Haser Grußworte.

Amtsleiter Albrecht Siegel
Amtsleiter Albrecht Siegel
Dr. Peter Reithmeier, Veterinäramt
Waldemar Westermayer

Zu Beginn sprach Dr. Peter Reithmeier vom Veterinäramt Ravensburg über die gesetzlichen Anforderungen und Vorgaben, die an eine artgerechte Milchviehhaltung gestellt werden. Diese werden von den Milchviehhaltern in der Region in den allermeisten Fällen ohne Beanstandung bereits erfüllt. In seinem Vortrag ging er deshalb vor allem auf die Ausgestaltung einzelner Funktionsbereiche und auf aktuelle Tierschutzfragen ein. Für rege Diskussion sorgte hierbei das Thema Kälbertransporte nach Spanien. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Sigmaringen werden die Transporte derzeit abgefertigt, jedoch sind von Seiten des Veterinäramtes einige tierschutzrechtliche Fragen weiterhin offen, die nun zur Klärung bei der nächsthöheren Instanz liegen.

Im Anschluss daran stellte Frau Prof. Dr. Benz von der Hochschule Nürtingen das Projekt Q-Wohl-BW vor, das Milchviehhalter als schnelles und einfaches Instrument, bei der Tierkontrolle und der Verbesserung der Haltungsbedingungen unterstützen soll. Die Anwendung definiert 21 tierwohlbezogene Indikatoren, anhand derer der eigene Stall analysiert und optimiert werden kann. Mithilfe eines praktischen Ampelsystems kann der Landwirt Schwachstellen im eigenen Betrieb erkennen und so frühzeitig beheben. Durch den relativ geringen Zeitaufwand stellt dieses Werkzeug eine sehr hilfreiche, kostengünstige und zielorientierte Möglichkeit dar, der vorgeschriebenen Eigenkontrolle nachzukommen und gleichzeitig das Tierwohl im Stall weiter zu steigern.

Michael Müller aus Starkenhofen präsentierte den Anwesenden nach der Mittagspause sein Betriebskonzept und sein Selbstverständnis als Landwirt. Der Betriebsleiter hat in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt und berichtete den interessierten Zuhörern von seinem vielfältigen Engagement auf seinem Hof oder im Internet. Er ermutigte alle, die Chancen wahrzunehmen, auch wenn damit ein höherer Arbeitsaufwand und zusätzliche Kosten verbunden sind. Dennoch betonte er, dass in Zeiten, in denen Landwirte oft an den Pranger gestellt werden, es wichtig ist, auf die Verbraucher zuzugehen, die Stalltür zu öffnen und verlorenes Verständnis zurückzugewinnen. Ein Patentrezept für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit gibt es nicht. Vielmehr muss sich jeder Betrieb den für ihn passenden Weg suchen.

Peter Härle vom Polizeipräsidium Ravensburg versuchte in seinem Vortrag darüber aufzuklären, welche Rechte und Möglichkeiten Landwirte haben, falls sich Personen unberechtigt auf der Hofstelle aufhalten. Generell appellierte er eindringlich, zunächst an den eigenen Schutz zu denken und die Polizei zu alarmieren. Mit einem kurzen Rollenspiel verdeutlichte er anschaulich, wie schnell man als Unbeteiligter bei Auseinandersetzungen zum potentiellen Täter werden kann und riet deshalb dringend davon ab, die direkte Konfrontation zu suchen. Viel hilfreicher sei es, die Ruhe zu bewahren und die Ereignisse für die Polizei zu dokumentieren. Wer möchte, kann von der Polizei die Möglichkeit einer kostenlosen Fachberatung in Anspruch zu nehmen, bei der Wege zur Absicherung der Hofstelle aufgezeigt werden.

Abgerundet wurde der Tag durch den Seelsorger und Autor Josef Epp. Landwirte stehen oft unter großem Druck- aufgrund der hohen Arbeitsbelastung, Anfeindungen der Gesellschaft, niedrigen Preisen, steigenden gesetzlichen Vorgaben oder den eigenen Erwartungen. Diese hohe Belastung macht auf Dauer krank. Doch Stress beginnt im Kopf. Das verdeutlichte er in seinem persönlichen und aufrüttelnden Vortrag. Der Anspannung muss auch immer wieder eine Phase der Entspannung entgegen gesetzt werden. Besinnen auf sich selbst, den Kontakt zu vertrauten Personen suchen und das Schaffen von Pausen, in denen man zur Ruhe kommt, gewinnen in einer sich immer weiter verdichtenden Arbeitswelt mehr und mehr an Bedeutung. Das alles kann dabei helfen, Stress abzubauen, bevor er zur gesundheitlichen Gefahr wird. Denn Stress beginnt nicht nur im Kopf, sondern wird auch dort bewältigt. Jedoch darf Stress nicht nur als etwas Negatives betrachtet werden, denn erst dadurch ist das Gehirn in der Lage, Lernprozesse in Gang zu setzen

Beendet wurde die Veranstaltung durch das Schlusswort des Vorsitzenden des Bauernverbandes Allgäu-Oberschwaben Herrn Waldemar Westermayer

Pressedienst Nr. 31
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Ravensburg, den 26.02.2020